An(ge)dacht

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn (Jakobus 1,19)

Eine häufige Ursache zwischenmenschlicher Konflikte ist fehlende oder unzureichende Kommunikation. Wir reden viel und reagieren schnell, meist nehmen Emotionen bereits vor der Beendigung einer Aussage überhand. Wir reagieren, bevor wir hören. In der Psychologie ist „aktives Zuhören“ ein eigenes Forschungsthema. Jemandem wirklich zuzuhören erfordert Aufmerksamkeit, Konzentration, Willen und Übung. Ein menschliches Grundbedürfnis ist es, gehört und gesehen zu werden. 

Der Vers im Jakobusbrief ist an die Christengemeinde Jesu gerichtet, Hintergrund des Briefes könnten Streitigkeiten und Missverständnisse der paulinischen Schriften innerhalb der Gemeinden gewesen sein. Der Vers steht unter der Überschrift „Hörer und Täter des Wortes“ und die nachfolgenden Verse verdeutlichen, dass auf das Hören des Wortes Taten zu folgen haben. Es geht um das Hören des Wortes Gottes und die eigene Reaktion darauf – die emotionale Reaktion und die Handlungsreaktion. „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn“ beinhaltet zudem auch eine aktive Aufforderung, den Prozess des Zuhörens einzuüben und sich die Zeit und Stille dafür zu nehmen. Wer hören will, der kann nicht gleichzeitig reden. Wer hören will, der muss zunächst einmal still sein.
Das, was wir in der zwischenmenschlichen Kommunikation oftmals verpassen, wenn wir unserem Gegenüber nicht wirklich Zeit und Aufmerksamkeit schenken, um ihn zu hören und zu sehen, kann weitreichende Folgen mit sich bringen. Dinge, die nie so gesagt oder gemeint wurden und Dinge, die gesagt, aber nicht gehört wurden, schaffen emotionale Distanzierung, Isolation und Streitigkeiten. Wir sind darauf angewiesen, einander zu hören, wenn wir zwischenmenschliche Verbindungen schaffen wollen. Und noch viel mehr sind wir darauf angewiesen, das Wort zu hören, das uns Leben gibt und Handlungsanweisungen für ein gutes, lebensbejahendes Miteinander bereitstellt.
In Matthäus 13, 9-17 heißt es „Wer Ohren hat, der höre“ und „Wer Augen hat, der sehe“. Viele, die Ohren haben, und viele, die Augen haben, hören und sehen dennoch nicht. Wer Ohren hat, der höre die frohe Botschaft des Evangeliums, wer Augen hat, der sehe, dass da bereits etwas Großes und Gutes angebrochen ist, hier und jetzt, in unseren alltäglichen Lebensherausforderungen. Wir können die gute Nachricht des Evangeliums nur angemessen in unserem Reden, Tun und Handeln weitergeben, wenn wir uns vorher die Zeit genommen haben, sie zu hören und zu verstehen. Der Vers in Jakobus darf auch heute als eine Einladung, ein Hinweis und eine Aufforderung verstanden werden, sich die Zeit zu nehmen, Gottes Wort zu hören. Und er darf als eine Einladung und eine Erinnerung wahrgenommen werden, sich die Zeit zu nehmen, einander zu hören. Viele gute Dinge nehmen im Kleinen, Unscheinbaren ihren Anfang. Vielleicht ist das Zuhören einer dieser Anfänge, die Großes bewirken. Eine Entscheidung, in die es sich lohnt, Zeit und Energie zu investieren.nur angemessen in unserem Reden, Tun und Handeln weitergeben, wenn wir uns vorher die Zeit genommen haben, sie zu hören und zu verstehen. Der Vers in Jakobus darf auch heute als eine Einladung, ein Hinweis und eine Aufforderung verstanden werden, sich die Zeit zu nehmen, Gottes Wort zu hören. Und er darf als eine Einladung und eine Erinnerung wahrgenommen werden, sich die Zeit zu nehmen, einander zu hören. Viele gute Dinge nehmen im Kleinen, Unscheinbaren ihren Anfang. Vielleicht ist das Zuhören einer dieser Anfänge, die Großes bewirken. Eine Entscheidung, in die es sich lohnt, Zeit und Energie zu investieren.

Dana Weiner

Die Autorin ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Theologischen Hochschule Elstal

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