Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet. Der Herr kämpft für euch, ihr aber könnt ruhig abwarten. 2. Mose 14,13-14

Ihr braucht nicht zu kämpfen! Geht dorthin, und dann werdet ihr sehen, wie ich, der Herr, euch rette. (2 Chronik 20,17a)

Meiner Erfahrung nach kennen wir Menschen in herausfordernden und schwierigen Situationen zwei Hauptstrategien, mit diesen umzugehen: Entweder wir packen den Stier bei den Hörnern, gehen das Problem aktiv an und setzen unsere Kraft und Energie dafür ein, eine gute Lösung zu finden. Möglicherweise verbeißen wir uns richtiggehend in das Problem und denken Tag und Nacht darüber nach. Oder aber wir tun das Gegenteil: Wir reden das Problem klein oder ignorieren es komplett. Wir werden passiv und hoffen, dass es sich doch in Luft auflösen möge und tun so, als gebe es kein wirkliches Problem.

Ich kenne selbst beide Wege und ich denke, uns allen wird schnell klar, dass beide einige Schwächen mit sich bringen und vor allem, dass wir als Christen häufig genug eine weitere Option verpassen.

Und diese Option finden wir, wie so oft, wenn es um wichtige Erkenntnisse über das Leben geht, darin, wie Gott mit seinem Volk Israel umgeht: Im Alten Testament finden wir wieder und wieder das Bekenntnis Gottes, dass er bei seinem Volk ist, es begleitet und auf sie achtet. Und wir wissen, das gilt auch für uns. Gott ist bei uns – jeden Tag, in jeder Minute und in allen Situationen, ob in mühsamen oder entspannten, ob in hektischen oder ruhigen und auch in stark umkämpften Zeiten. Diese Wahrheit allein ist schon unglaublich. Sie ist für jeden von uns ein riesiges Geschenk. Und ich hoffe, wir alle haben das schon einmal erlebt und nicht nur in der Theorie darüber gehört.

Doch in den beiden obenstehenden Bibelversen geht Gott sogar noch einen Schritt weiter – er kämpft für sein Volk. Und hierbei finde ich bemerkenswert, dass er nicht ‚nur‘ mit ihnen kämpft, sondern sie auffordert, den Kampf komplett ihm zu überlassen. Sie sollen abwarten, ruhig stehen bleiben – man könnte auch sagen, sie sollen ‚keinen Finger krümmen‘ –, sondern ihm den Kampf komplett überlassen.

In beiden Bibelstellen stehen die Israeliten ihren Feinden überraschend gegenüber, ohne dies provoziert zu haben. Es steht ihnen ein Kampf bevor, der ihnen als kleines Volk viel, wenn nicht alles, abverlangen wird. Es wird Verluste geben, ihre Familien und ihre Zukunft sind in Gefahr. Es liegt auch nicht in ihrer Hand, diesen Feinden aus dem Weg zu gehen, sondern in beiden Geschichten (hier eine Einladung, sie heute einmal nachzulesen) sind es ihre Feinde, die auf einen Kampf aus sind. Und in beiden Situationen Gott bietet ihnen an, für sie zu kämpfen. Er bietet ihnen nicht an, sie stärker zu machen oder zu besseren Kämpfern. Er spricht nicht davon, mit ihnen in den Kampf zu ziehen – das tut er an anderer Stelle durchaus –, sondern er fordert sie auf, ihn für sie kämpfen zu lassen. Und er findet dabei Wege, die den Israeliten sicher sonst verborgen und versperrt geblieben wären.

Und ich glaube, hier gilt es zu beachten, dass das Volk weder allein versuchen soll, diesen Kampf zu gewinnen, noch, dass es das Problem ignorieren soll und das Problem sich dann von selber löst. Denn Gott verlangt von seinem Volk ganz klar: Sie sollen ruhig stehen bleiben und zusehen (also auch hinsehen), wie er für sie kämpft.

Ich bin fest überzeugt, dass das eine Möglichkeit ist, die Gott uns in manchen Situationen auch heute noch anbieten möchte. Wir sollen wissen, dass ER für uns kämpft und kämpfen will.

Und diese Chance verpassen wir, wenn wir eine der beiden oben erwähnten Strategien wählen. Im ersten Fall setzen wir auf unseren Kopf, unsere Kraft und Energie bei dem, was wir vorhaben. Gott komplett für uns kämpfen zu lassen, ziehen wir gar nicht erst in Betracht. Im zweiten Fall konfrontieren wir uns gar nicht genug mit dem Problem, dass wir es als ein solches anerkennen und suchen deshalb auch gar nicht nach einer Lösung – wir entscheiden innerlich, dass gar kein Kampf nötig ist. Auch das nimmt Gott die Gelegenheit, für uns zu kämpfen.

Erst ein dritter Weg eröffnet uns den Weg dahin, dass Gott ein solches Angebot machen kann. Wenn wir mit unseren Problemen und unseren Kämpfen zu ihm kommen. Manchmal wird er uns einen Weg aus der Schwierigkeit heraus zeigen, manchmal wird er uns für den Kampf ausrüsten und mit uns in diesen Kampf gehen und manchmal wird er uns anbieten, für uns zu kämpfen.

Diese Zusage gilt deshalb auch für uns: Fürchtet euch nicht vor ihnen; denn der Herr, euer Gott ist es, der für euch kämpft! 5. Mose 3, 22.

von Annika Lukow