Einkehrtag

Impressionen vom Einkehrtag

Ein groß gewachsener und sehr kräftig gebauter Mann sitzt auf dem Flur zum großen Saal. Er hat schwarze Springerstiefel an, die unter der Hose bis zu den Knien gehen. Es ist ein Bediensteter der JVA Brandenburg, der die Häftlinge begleitet, die unseren Einkehrtag besuchen. Der Mann sieht heute völlig entspannt aus.

Ich sitze auf der Empore. Henry und Harry sitzen neben mir und schauen begeistert nach unten. Die Band „Licht“ hat gerade angefangen zu spielen. Das Schlagzeug ist das wichtigste Instrument. Sie spielen gerade das Lied „Wenn einer zu reden beginnt ... da fängt der Frieden an“. Ich habe den Eindruck, dass ich jetzt in diesem Moment angekommen bin.

Im großen Saal sind über 200 Menschen zusammen gekommen. Jeder ist anders, äußerlich und innerlich. Ich frage mich, was verbindet diese Menschen eigentlich? Warum kommen sie zum Einkehrtag, ohne dass sie von jemand gedrängt worden sind? Eine allgemeine Antwort auf diese Frage habe ich nicht parat. Manche sind gläubig, manche nicht, andere sind süchtig, wieder andere aber auch nicht. Die Menschen reden miteinander, unverblümt und authentisch. Es wird viel geraucht und literweise Kaffee getrunken.

Der Referent, Jürgen Naundorf, redet über Angst und wie sie unser Leben einschränken kann. Grundlage bildet der Text aus Johannes 16, 33. Er bindet die Leute im Saal in sein Referat mit ein. Es werden vielen Fragen gestellt und Anmerkungen kundgetan. Als ich zwischendurch nach unten gehe, kommen mir Leute aus der Gemeinde entgegen. Sie haben frisch gebackenen Kuchen in der Hand und wollen ihn für uns abgeben. Dableiben und den Tag gemeinsam verbringen, wollen wenige. Der Einkehrtag ist für mich eine Chance im Leben, eine Möglichkeit der Begegnung und Entwicklung. Ich wünsche mir, dass er noch viele Jahre stattfinden kann und freue mich schon jetzt auf den nächsten.

Haiko Schlink

Herrnhuter Losung

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