An(ge)dacht
Liebe Leserinnen und Leser,
die bildgewaltige, teilweise fremd wirkende und fantasievolle Sprache der Offenbarung des Johannes kann einen schon einschüchtern. So manche/r umliest deshalb diesen Teil des neuen Testamentes. Doch nun wurde gerade aus der Offenbarung die Jahreslosung für 2026 gewählt: „Gott spricht: Siehe ich mache alles neu!“ Ein Vers, wie er klarer nicht sein könnte, oder? Ganz sicher bezieht sich diese Aussage auf das kommende himmlische Jerusalem, das vollkommene, endgültige Reich Gottes. Das wird ein Ort sein, an dem Gott alle Tränen abwischen und Tod, Trauer und Schmerz keinen Platz mehr haben werden, an welchem die Pracht und Größe, die Liebe und Gnade Gottes alles überstrahlen wird.
Bedeutet das also warten und vertröstet werden? Ich denke, nein! Gottes herrliche Kraft und Gnade wirken auch jetzt schon!
Als ich die Losung Ende September das erste Mal wahrgenommen habe, stand ich kurz vor einer großen Knie-OP. Der Text wirkte schon damals so unendlich hoffnungsvoll und konkret für mich. Nach der OP bin ich den Ärztinnen und Therapeutinnen für ihre tolle Arbeit sehr, sehr dankbar. In all dem fühlte und fühle ich mich, auch in anstrengenden Zeiten, umbetet von Geschwistern und getragen von Gottes Gnade und Zusage. Warum sollte ein neues Knie nicht zu dem „Alles“ gehören, was Gott erneuern will? Zu naiv?
Dann lasst uns auf die Suche nach diesem „Alles neu machen“ gehen. Schnell wird zunächst klar, dass Antworten nicht in diesen häufigen Übertreibungen des Besser, Schöner, Weiter zu finden sind, die uns viel zu oft medial umgeben. Gottes Neu zu finden und zuzulassen erfordert Mut, hörende, fühlende und sehende Offenheit, die Bereitschaft, Gott zu vertrauen und in allem dankbar zu sein. Meine Erfahrung ist, dass man gerade durch Letzteres Gottes großer Kraft der Erneuerung im Großen und im Kleinen auf die Spur kommen kann:
Ich bin Gott dankbar für die Täuflinge des letzten Jahres und ihr neues Leben mit Jesus.
Ich bin Gott dankbar für die vielen Geschwister in der Gemeinde und die wachsende Christenheit weltweit.
Ich bin Gott dankbar für den weiteren Rückgang des Hungers in der Welt.
Ich bin Gott dankbar für die 40jährige gesegnete Freundschaft mit meinem lieben Nachbarn und die weltweiten Verbesserungen der Biodiversität und Artenvielfalt.
Ich bin Gott dankbar für das 100-jährige Leben unserer gerade heim-gegangenen Großtante und dafür, dass die Kindersterblichkeit bei Kindern unter 5 Jahren seit 2000 um die Hälfte gesunken ist.
Ich möchte dich ermutigen die Aufzählung zu ergänzen. Möglicherweise reicht das Papier dann nicht mehr, wenn wir erst einmal auf den Spuren Gottes gehen. Natürlich nimmt das die Erfahrungen von Trauer und Schmerz, Verlust und Angst nicht weg - noch nicht! Doch wir dürfen erleben, wie uns Hoffnung ergreifen kann, die uns zum Tun ermutigt. Ein zeitgenössischer Spruch sagt: Der Regenbogen wartet nicht darauf, dass du ihn deinem Kind zeigst, nur weil du noch eine WhatsApp bearbeiten willst. So ist es auch mit Gottes Zusage. Wir können den Kopf senken und WhatsApps bearbeiten oder aufschauen und uns jetzt schon auf die Spurensuche nach dem himmlischen Jerusalem Gottes begeben. Dazu lade ich euch sehr herzlich ein und wünsche uns allen ein spurenreiches, gesegnetes Jahr 2026.
Euer Jürgen Kraetzig